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Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Waldschloss Brauerei

Keine Feste und Veranstaltungen für unbestimmte Zeit, Restaurants, Biergärten und Bräustüble geschlossen – die Corona-Krise hat vor allem Brauereien stark beeinträchtigt. Das können Sonja und Jens Reinhart, Inhaber der Waldschloss Brauerei Frammersbach, bestätigen. Bürgermeister Christian Holzemer und FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel haben sich mit ihnen über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Waldschloss Brauerei unterhalten.

Sonja Reinhart, Bürgermeister Christian Holzemer, Jens Reinhart, Lorena Rüppel (FraMaG)


Anfangs herrschte große Unsicherheit. Viel Umsatz sei einfach weggebrochen – nur noch der Flaschenbierverkauf blieb ihnen.
„Darüber haben wir versucht, am Leben zu bleiben“, erzählte Jens Reinhart Christian Holzemer und Lorena Rüppel, die die beiden zum Gespräch getroffen haben.

Sie hätten Kurzarbeit und Soforthilfe beantragt und versucht, kreative Möglichkeiten zur Verkaufsgenerierung zu schaffen. Zu diesem Zweck entwickelten sie beispielsweise ihren VORFREUDE-Gutschein, den die Bürger nach dem Lockdown im Bräustüble einlösen können. Der Gutschein wurde gut angenommen, auch ortsansässige Firmen haben diese für ihre Mitarbeiter gekauft.

Ein günstiger Faktor in der Krise war ihre Unabhängigkeit von Abfüllern – das wurde manchen Brauereien in dieser Zeit zum Verhängnis. Doch auch beim eigenen Abfüllen der Flaschenbiere gab es überraschende Probleme: Es fehlte an Leergut und man kommt kaum an neue Flaschen, da auch die Glashütten Schwierigkeiten hätten.

Inzwischen dürfen sie ihren Biergarten wieder öffnen. Die Vorbereitungen darauf waren allerdings schwierig, denn es herrschte große Unsicherheit bezüglich der Regelungen. Klare Vorschriften gab es keine, sie haben schließlich selbst bei der Polizei angerufen und nachgefragt. Sicherheit konnte diese ihnen nicht geben.
Das Konzept des Biergartens ist unsicher, denn man ist komplett wetterabhängig. Zum Glück haben sie eine Ausnahmegenehmigung erhalten, bei anhaltend schlechtem Wetter auf die Garagen ausweichen zu dürfen. Generell gibt es aktuell kaum Sicherheiten im laufenden Betrieb.
„Wir planen von Woche zu Woche und schauen, was kommt. Das Schlimmste haben wir hinter uns gebracht“, sind beide zuversichtlich.

Als Familie wachsen sie an der Krise. „Wir können das alles nur stemmen, weil wir eine Familie sind, die hart arbeitet und zusammenhält.“

Auch die Solidarität und Unterstützung der Bürger haben sie als sehr groß empfunden – darüber haben sie sich sehr gefreut und waren positiv überrascht. Jeder ist verständnisvoller und dankbarer als vorher, die Menschen wollen sie unterstützen.
„Dadurch wird man selbst dankbarer und bekommt mehr Wertschätzung von außen.“, erklärte Sonja Reinhart. Sie hat das Gefühl, dass durch die Krise den meisten klar wird, wie wichtig Regionalität ist und wie sehr man durch das eigene Handeln ortsansässige Betriebe unterstützen kann.

Das Motto der Kampagne #wirhaltenzusammen ist für sie im Ort spürbar: Der Zusammenhalt in Frammersbach ist durch die Corona-Krise stärker geworden.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Bernd Aull – der Raumausstatter

„Wir waren erst einmal geschockt und wie gelähmt“, beschrieben Bernd und Claudia Aull von „Bernd Aull – Der Raumausstatter“ ihre erste Reaktion auf die Corona-Pandemie im Gespräch mit Christian Holzemer und Lorena Rüppel auf die Frage, wie sie die Corona-Krise erlebt haben.

Lorena Rüppel (FraMaG), Claudia und Bernd Aull, Bürgermeister Christian Holzemer

Sie hatten weniger Angst um die eigene Gesundheit, sondern mehr um die der Familie und um die wirtschaftliche Lage. Doch nach dem ersten Schock wurden sie aktiv. Sie haben sich langsam herausgearbeitet aus der eigenen Lähmung, haben bei Polizei und Ordnungsamt angerufen, um Informationen zu sammeln, Maßnahmen richtig umzusetzen und keine Fehler im Arbeitsalltag zu begehen. Dabei haben sie sich an den Empfehlungen der Handwerkskammer orientiert.

Inzwischen sind sie zuversichtlich: Die Aufträge sind nicht eingebrochen, haben sich höchstens verschoben von gewerblichen zu privaten Aufträgen. Viele ihrer Kunden haben sich nach dem ersten Schock gesagt: „Ich bin jetzt viel zuhause, ich mache es mir jetzt hier schön.“

Davon profitieren sie als Raumausstatter natürlich, aber längerfristige negative Auswirkungen werden wahrscheinlich nicht ausbleiben. Um dem entgegenzuwirken, muss man immer aktiv sein, hart arbeiten und sich immer wieder neu an Bedingungen und Regeln anpassen. Ein Betrieb muss immer vorausschauend gemanagt werden, aber wenn die ganze Familie an diesem Betrieb hängt, ist es nochmal härter und es steht mehr auf dem Spiel.

Der neue Arbeitsalltag ist eine Herausforderung, aber auch spannend, erzählen Bernd und Claudia Aull. Die Beratung der Kunden ist durch das Fehlen der Mimik erschwert: Die Reaktion auf Entwürfe ist schwieriger abzuschätzen und die Kommunikation bei der Konzeption eingeschränkt. Außerdem sind durch die Krise mehr Verwaltungs- und Organisationsaufgaben entstanden. Gewerbliche Aufträge sind großflächiger, wenn diese wegfallen, kann man sie nur durch viele kleinere private Aufträge ersetzen. Abgesagt aus Angst vor Corona-Ansteckung hätten ihnen kaum Kunden, sie hatten diese eher als entspannt wahrgenommen.

Ihr Team hat sich vorbildlich verhalten und stets mitgedacht, Neuerungen gemeinsam besprochen und Informationen beigesteuert. Die Mitarbeiter haben zudem Masken für alle genäht und sich vor allem auf den Baustellen, aber auch privat strikt an die Regeln gehalten. Bernd und Claudia sind froh über das hohe Vertrauensverhältnis, das sie mit ihren Mitarbeitern pflegen und dass sie sich stets aufeinander verlassen können.

Auf die Frage von Lorena Rüppel, wie sie in die Zukunft blickten, sind beide positiv gestimmt: „Wenn du kreativ und tüchtig bist, schaffst du es auch durch Krisenzeiten.“
Zu ihrem Optimismus sehen sie keine Alternative, denn man muss einfach versuchen, weiterzumachen und der Situation entsprechend agieren:
„Weiter, weiter, immer weiter; denn, wenn jetzt jeder negativ denkt, geht nichts mehr voran und wir kommen nicht raus aus der Krise.“

Die Kampagne #wirhaltenzusammen der Frammersbach Marketing eG haben sie als sehr positiv wahrgenommen, denn sie finden: Gerade jetzt muss man sich noch stärker als vorher im Ort und innerhalb der Region unterstützen und bewusst einkaufen und konsumieren.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Hotel-Restaurant Schwarzkopf

Die Corona-Krise ist besonders für die Gastronomie eine harte Zeit. Anja Pumm vom Hotel-Restaurant Schwarzkopf kann das bestätigen. Im Gespräch mit Bürgermeister Christian Holzemer und Lorena Rüppel erzählt sie, wie sie als Gastronomen diese Zeit wahrnehmen.

Bürgermeister Christian Holzemer, Lorena Rüppel (FraMaG), Anja Pumm

Anfangs hätten sie erst einmal stillgehalten. Sie hatten schon geahnt, dass es zu einem Lockdown kommen und alles geschlossen werden würde, rechneten aber nicht mit der langen Dauer der Schließung. „Wir dachten, es geht nur um wenige Wochen. Das war okay, wir haben die Zeit als unseren Jahresurlaub angesehen und als Zeit mit den Kindern“, beschreibt Anja Pumm ihre Gedanken zum Lockdown.

Als sich aber herauskristallisierte, dass so schnell keine Normalität einkehren würde, sind sie kreativ geworden. Sie haben überlegt, was sie als Restaurant ausmacht und wie sich diese Werte auch in Corona-Maßnahmen transportieren ließen. Dann kamen sie auf den plastikfreien Mitnahmeservice.
„Durch Corona wird wieder so viel Müll produziert. Das ist ein riesiger Rückschritt im Kampf gegen den Klimawandel. Das wollten wir nicht noch verstärken.“, erklärt Anja Pumm ihre Idee. Deshalb starteten sie einen Aufruf und sammelten nichtgenutztes Geschirr der Bürger, um dieses für ihren Lieferservice zu verwenden – die Beteiligung war groß, das Feedback sehr positiv. Für sie selbst war es außerdem eine große Freude, durch den Abholservice wieder persönlichen Kontakt zu Gästen pflegen zu dürfen. Die Rückmeldungen hätten sie sehr gefreut.

Der Mitnahmeservice wurde am Anfang sehr gut angenommen, es kamen 50-60 Bestellungen pro Tag herein, damit ließen sich die hohen Fixkosten gerade decken. Dann wurden die Bestellungen weniger, der Mitnahmeservice war kein Vergleich zum vorher gut laufenden Geschäft.

Inzwischen ist die ruhige Stimmung vom Anfang des Lockdowns in Verärgerung und Sorge umgeschlagen. Von der Politik ist die Gastgeberin enttäuscht: „Der schwarze Peter wird weitergereicht; die Regeln der Regierung werden am Schreibtisch konzipiert und sind nicht am Gastronomie-Alltag erprobt.“
Die Regeln und Vorgaben empfindet sie teilweise als willkürlich – den Menschen werden zu wenig Eigenverantwortung zugetraut. Vor allem die kurzen Zeiten für Gastronomie und Biergarten sind schwierig – der enorme Vorher- und Nachher-Aufwand sollte sich lohnen, wieso sind gerade über Feiertage wie Pfingsten die Betriebs-Zeiten verkürzt worden, fragt sie sich. Außerdem könnte man erlauben, dass Gastronomen mit Visier statt mit Maske arbeiten. Das würde den Alltag und die Arbeit im Restaurant erleichtern.
„Der Regierung fehlt die Wertschätzung von Gastronomen“, meint Anja Pumm. „Das erkennt man auch daran, dass die Bestimmungen für die Wiedereröffnung viel zu spät kamen. Wie soll man die vorgegebenen Maßnahmen in nur vier Tagen umsetzen?“
Sie empfindet die Situation rund um Corona als belastend. Das gewisse Extra in der Arbeit als Gastgeber geht verloren, es herrscht weniger Lebensfreude und Lebensqualität.

Aber es gibt auch positive Perspektiven. Sie als Betreiber eines Hotel-Restaurants hoffen ebenso wie Lorena Rüppel und Christian Holzemer auf den Effekt des Urlaubs im eigenen Land und dass die Menschen den Spessart wieder für sich entdecken. Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Rad fahren und Natur spielen seit Beginn der Krise wieder eine größere Rolle im Leben der Menschen. Davon könne unsere Region profitieren. Sie sind gespannt, wer als Besucher ihres Hotels kommt – ob man in den Zielgruppen Veränderungen erkennen wird.
Auf die Wiedereröffnung der Zimmer freut sie sich auf jeden Fall schon.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Gasthaus Fischerhütte

„Ich bin jetzt seit 30 Jahren hier im Dienst. Da kommt man auch mal ein paar Wochen zurecht, wenn eine Krise herrscht“, beschrieb Friedhelm Noll, Besitzer des Gasthauses Fischerhütte, beim Treffen mit Bürgermeister Christian Holzemer und FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel seine Sicht auf die aktuelle Lage rund um die Corona-Krise.
Während des Lockdowns versuchte er positiv zu bleiben: Als geschlossen war, hat er die Zeit mit der Familie genutzt, war sportlich aktiv und hat zuhause viele liegengebliebene Arbeiten erledigt.

Bürgermeister Christian Holzemer, Friedhelm Noll, Lorena Rüppel (FraMaG)

Unterstützung in der Krise hat er von seinem Vermieter erhalten: Während geschlossen war, musste er keine Pacht zahlen. Dafür ist er sehr dankbar. Zudem hat er die Corona-Hilfe beantragt, die gleich genehmigt wurde.

Während der Schließung hat das Gasthaus Fischerhütte einen Lieferservice eingerichtet, der alle 14 Tage am Freitag stattfand. Dieser Service kam gut an: Am ersten Freitag hatten sie über 320 Bestellungen – das Team war völlig überwältigt. Generell ist die Unterstützung der Bürger sehr groß, viele erkundigen sich und wollen aktiv helfen.

Seit er wieder seinen Biergarten öffnen darf, ist er positiv gestimmt, denn: Bisher gab es kaum schlechte Tage im Biergarten. Das Gasthaus Fischerhütte profitiert in der Krisenzeit von seiner Lage: Durch das weitläufige Außenareal lassen sich viele Tische mit genügend Abstand aufstellen, Platz haben sie genug. Die Menschen wollen wieder raus, den Frühling genießen und sich eine schöne Zeit machen. Dafür ist der Biergarten an der Fischerhütte ideal.

Anfragen und Reservierungen haben sie viele, am Telefon erkundigen sich die Menschen nach der Umsetzung der Abstandsregeln und ob sie genügend Distanz an ihrem Tisch haben würden. Bei den Maßnahmen unterstützen die Bedienungen tatkräftig: Sie nehmen Reservierungen an, geben bereits auf Telefon Hinweise auf Maskenpflicht, Desinfektionsspender am Eingang und Abstand und platzieren die Gäste an ihren Tischen.

Friedhelm Noll sieht sowohl Vor- als auch Nachteile der aktuellen Corona-Krise. Dass die Feste bis Ende August entfallen, hilft beispielsweise den Biergärten und Gastronomen. Denn die Menschen suchen nach Ersatz-Beschäftigungen und besuchen dafür dann vielleicht umso häufiger Restaurants.
„Wir gehen gestärkt aus der Krise raus, da bin ich mir sicher“, fasst Friedhelm Noll seine Situation final zusammen.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Müller Feinblechbautechnik

Müller Feinblechbautechnik wurde gleich am Anfang von der Corona-Pandemie getroffen, erzählte Geschäftsführerin Verena Müller-Drilling im Gespräch mit Bürgermeister Christian Holzemer und Lorena Rüppel. Bereits Mitte März hatten sie einen ersten Verdachtsfall im Betrieb. Die Unsicherheit und Panik in der Belegschaft waren daraufhin groß. Diese Zeit hat sie selbst als sehr schlimm empfunden – sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Abläufe im Betrieb.

Von links nach rechts: Lorena Rüppel (FraMaG), Verena Müller-Drilling (Müller Feinblechbautechnik), Bürgermeister Christian Holzemer

Als Konsequenz habe Müller Feinblechbautechnik allen Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, daheim zu bleiben und im Home-Office zu arbeiten. „Jeder muss seinen Weg finden in der Krise“, erklärte Verena Müller-Drilling diese Maßnahme.

Das Auftragsvolumen des Betriebs war im März noch relativ stabil, im April brach es auf 75 Prozent ein. Der Mai war wieder etwas positiver, Veränderungen zu vorher erkennt man aber sofort. Kurzarbeit hätten sie bisher noch keine angemeldet. Die Mitarbeiter waren dafür angewiesen, Zeitkonten mit Überstunden und Resturlaub abzubauen.
Generell stellt der Faktor Personal eine große Unsicherheit für Geschäftsführerin Verena Müller-Drilling dar. Sie versucht, über Stellen, die durch Ruhestand frei wurden und nicht neu vergeben werden, finanzielle und personelle Polster zu schaffen. „Wir haben sehr gute Azubis, die in diesem Jahr fertig werden und die wir gerne übernehmen möchten. Allerdings ist im Bereich Personal noch vieles unsicher.“

Zum Schutz der Mitarbeiter haben sie verschiedene Maßnahmen umgesetzt: Es besteht die Möglichkeit zum Home-Office, Besprechungsräume wurden in Büros umgewandelt, um Abstand zu ermöglichen, in allen Abteilungen wurden Abstände geprüft und angepasst, die Belegschaft wurde mit Masken ausgestattet und die Pausenräume aufgelöst. Stattdessen hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, am Platz zu essen und Pause zu machen.

Die Vorgaben der Regierung hat sie den Newslettern der Branchenverbände und den offiziellen Pressekonferenzen entnommen. Dabei hat sie sich gut betreut gefühlt, was auch an ihrer weitläufigen Vernetzung liegt.

Die Änderungen im Betriebsablauf haben sie per Mail und Aushang bekannt gemacht. Das Team hatte dabei sehr großes Verständnis für die nötigen Maßnahmen und hat die Anweisungen gut akzeptiert und umgesetzt. Teilweise waren die Mitarbeiter froh, wieder im Betrieb arbeiten zu dürfen statt im Home-Office.
Verena selbst fehlen die Betriebsversammlungen, um mit ihren Mitarbeitern im persönlichen Kontakt zu bleiben und an sie zu appellieren. Bei den Sachzuwendungen wurde sich bewusst dazu entschieden, durch Gutscheine örtliche Betriebe wie die Waldschloss Brauerei zu unterstützen.

Auch die Mitglieder der Frammersbach Marketing eG wollte Müller Feinblechbautechnik unterstützen, deshalb haben sie einen Desinfektionsspender zum Selbstkostenpreis für alle Mitglieder angeboten. Dieser wurde gut angenommen. „Sich gegenseitig im Ort zu unterstützen, ist für uns gerade in Krisenzeiten enorm wichtig“, schließt Verena Müller das Gespräch ab.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Modehaus Mill

Für Wolfgang und Maria Mill vom Modehaus Mill kam die Schließung durch den Lockdown mitten in der Hauptverkaufszeit, in der Übergangsware und Frühlingsartikel verkauft werden würden. Im Gespräch mit Bürgermeister Christian Holzemer und FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel schildern die beiden, wie sie die Krise erlebt haben.

Von links nach rechts: Maria und Wolfgang Mill, Bürgermeister Christian Holzemer, FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel

„Die anfängliche Unsicherheit war riesig. Alles, was man sich über viele Jahre erarbeitet hat, steht plötzlich auf dem Spiel“, beschreibt Wolfgang Mill die Reaktion der beiden auf den Lockdown im März. Durch die Schließung und ausgefallene Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage, aber auch die eigenen Events, fehle ihnen ein wichtiger Teil des Jahresumsatzes. Außerdem war die Ware für die Frühjahrs-Saison bereits bestellt – deshalb standen ihnen langwierige Verhandlungen mit Lieferanten und Herstellern bevor, die alle unterschiedliche Ansätze im Umgang mit der Krise zeigten.

Doch die beiden ließen sich nicht unterkriegen: Während der Schließung waren sie umso aktiver auf ihren Social-Media-Kanälen, posteten Mode, Outfits und Kollektionen und boten einen Lieferservice für ihre Kunden an. Auch im Mainlokalshop der Werbegemeinschaft Lohr boten sie durch die Verbindung der FraMaG Gutscheine des Modehauses an. Die Kampagne #wirhaltenzusammen nutzten sie, um ihren Lieferservice zu bewerben.
„Wir haben jede Möglichkeit genutzt, um Verkäufe zu generieren und mit unseren Kunden in Kontakt zu bleiben. Dafür haben wir auch sehr gutes Feedback erhalten“, erklärte Maria Mill.

Trotz allem war ihre Unsicherheit groß, ob die Kunden nach der Ende des Lockdowns wiederkommen würden – denn die Vorgaben der Regierung für Maskenpflicht, Abstandsregelungen und Desinfektion waren hoch. Doch die Sorgen waren unbegründet: Es ist gut wieder angelaufen, die Bindung der Kunden ist sehr stark und die Stammkunden treu. Das ist das Positive, das sie aus der Krise schöpfen.
„Unsere Kunden sind für uns wie eine große Familie, sie unterstützen uns und schätzen uns und unsere Offenheit“, erzählte Wolfgang Mill Christian Holzemer und Lorena Rüppel.

Sie profitieren nun von den Aktivitäten während der Schließung. Vielen Kunden und Bürgern sind sie durch die Maßnahmen nun noch präsenter als vorher, viele fragen nach den Outfits oder Kleidungsstücken, die sie auf Facebook oder Instagram bei Modehaus Mill gesehen haben. Kreativität zahlt sich also besonders in Krisenzeiten aus.

Aber auch ein gutes Team ist in Krisen Gold wert: Die Mitarbeiter von Modehaus Mill denken stets mit, arbeiten viel und unterstützen Wolfgang und Maria, wo sie nur können. Während der Schließung wurden sie auch selbst kreativ und zeigten eine hohe Dynamik: Beispielsweise haben sie Kleidungsstücke zuhause für die Social-Media-Kanäle fotografiert, Masken genäht und eigene Ideen eingebracht. 
„Wir lassen unsere Mannschaft nicht im Regen stehen und sie uns auch nicht. Denn: Ein gutes Team ist das höchste Gut eines Unternehmens“, meinen beide. Die Corona-Krise stärke den Zusammenhalt untereinander.

Doch auch die Mode-Branche verändert sich durch die aktuelle Krise – nicht nur negativ. Vielleicht schaffe man es so, zurück zu Saisonverkäufen zu kommen, den schnellen Hype zu stoppen und Schlussverkäufe nicht mehr mitten in der Saison anlaufen zu lassen.
Probleme haben dagegen auch ihre Lieferanten. Man versuche sich gegenseitig zu unterstützen, miteinander zu sprechen und Lösungen für nichtverkaufte Ware oder Lagerprobleme zu finden. Ein zweiter Lockdown wäre für alle Beteiligten der Modebranche aber eine Katastrophe: Lieferketten würden unterbrochen, viele Lieferanten gingen kaputt und auch die Hersteller und Designer würden nicht unbeschadet davonkommen.
Deshalb haben Wolfgang und Maria schon gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen: Einige Ware für den Herbst wurde abbestellt, Zwischenkollektionen gestrichen und generell weniger Ware auf Lager eingekauft. Langfristige Effekte einer Wirtschaftskrise würde auch ihr Modehaus zu spüren bekommen.
Doch die beiden bleiben positiv: „Wir waren immer bodenständig und das bleiben wir auch. Das ist unsere Stärke, die uns durch die Krise bringt.“

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Gasthof Zum Grünen Baum

Sobald die Schließung im März bekannt wurde, haben sich Markus und Michael vom Gasthaus Zum Grünen Baum für einen Außerhaus-Service entschieden. Das war die einzige Chance, irgendwie weitermachen zu können.
Christian Holzemer und Lorena Rüppel boten Ende Mai den Mitgliedern von Frammersbach Marketing eG Gesprächstermine an, um über die aktuelle Corona-Krise zu sprechen: welche Auswirkungen die Krise hat, wie sie damit umgegangen sind und wie die Perspektive für die Zukunft ist.

Von links nach rechts: Bürgermeister Christian Holzemer, Michael und Markus vom Gasthof Zum Grünen Baum, Lorena Rüppel (FraMaG)

Zu Beginn war es schwierig für beide, sich zu organisieren:
„Plötzlich hat man neben der Gastgeberrolle so viele neue Aufgaben – der Aufwand für Organisation, Verwaltung und Abwicklung der Lieferungen war immens.“,
beschrieben sie die ersten Tage des Lockdowns. Da die Abholer der Speisen sich nicht begegnen sollten, war eine genaue zeitliche Taktung extrem wichtig, denn die Speisen sollten ja auch noch heiß sein, wenn die Gäste sie abholten. Zudem war es manchmal schwierig, an Lieferungen zu kommen, beispielsweise von frischen Pommes.

Der zusätzliche Aufwand hat sich jedoch gelohnt: Für ihren Außerhaus-Service haben sie unglaublich gutes Feedback und Rückmeldungen erhalten.
„Wir sind überwältigt davon, wie positiv die Reaktionen der Gäste waren!“, erzählten beide im Gespräch. Sie sind noch immer überrascht über den großen Zuspruch und die Solidarität, die sie erreicht hat: „Dafür möchten wir der Frammersbacher Bevölkerung ein riesengroßes Dankeschön aussprechen!“

Während der Schließung standen die beiden Gastwirte stets im Austauscht mit anderen Restaurants im Ort, haben sich abgesprochen, ausgetauscht und gemeinsam geplant. Der Außerhaus-Service hat sie durch die Krise gebracht, meinen sie. „Wie es aussieht, kommen wir mit einem blauen Auge davon.“

Inzwischen dürfen sowohl Biergarten als auch Restaurant wieder öffnen. Der Außerhaus-Service läuft weiter; somit müssen sie sich mit jeder neuen Phase wieder neuorientieren, Abläufe finden und neue Aufgaben koordinieren. „Daran gewöhnt man sich. Langweilig wird uns jedenfalls nicht“, schmunzeln sie.
Die Auflagen der Regierung empfanden sie als jedoch unkonkret und zu ungenau – die Auslegung ist nicht an den Gastronomie-Alltag angepasst. Aber noch mehr ärgern sie sich über auswärtige Betriebe, die die Regeln nicht umsetzen, denn deren Auswirkungen haben negative Effekte auf alle Gastronomen.

Um ihre Gäste zu schützen, haben sie verschiedene Maßnahmen umgesetzt: Die Tische stehen nun weiter auseinander, es gibt weniger Plätze als vorher und Sitzpolster sowie Tischdecken und Stoffservietten wird man vorerst nicht mehr finden. Neben der Ausstattung hat sich auch ihre Rolle als Gastgeber verändert: Durch die Distanz und den Mundschutz gehe ein Teil der früheren Herzlichkeit verloren. Man ist nicht mehr Gastgeber, sondern erfülle Regelarbeit.
Auch die Atmosphäre im Biergarten ist eine andere: Das Lockere, Leichte fehle im Moment noch. Spontanität und Lebensfreude sind während der Corona-Krise gedämpft. Allerdings ist auch hier der Zuspruch der Bevölkerung groß: Man merke, dass die Menschen viele Wochen eingesperrt und eingeschränkt gelebt haben und jetzt umso motivierter sind, rauszukommen und etwas zu erleben.

Durch die Plätze, die man verloren hat, und die ausgefallenen Events wie Geburtstage, Hochzeiten oder die eigenen Grill-Abende, habe man Einbußen zu verzeichnen, es wird jedoch keine „Riesen-Katastrophe“. Auch für ihre Zimmer haben sie schon Anfragen, sind jedoch noch vorsichtig.

Die Kampagne #wirhaltenzusammen hat dem Gasthof Zum Grünen Baum sehr geholfen: Durch die klare, konkrete Auflistung mit Kontaktdaten haben viele gesehen, welche Angebote in der Krise entwickelt wurden und konnten sie umso stärker nutzen. Besonders für den eigenen Außerhaus-Service habe das sehr geholfen.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Baustoff Mill

Als eine „extrem schwierige Zeit“ beschreibt Klaus Mill, Geschäftsführer von Baustoff Mill, die ersten Wochen der Corona-Krise im Gespräch mit Bürgermeister Christian Holzemer und FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel. Außerdem nahmen zwei weitere Geschäftsführer von Baustoff Mill, Alexander Mill und Nikolai Haberkorn, am Gespräch teil.
Christian Holzemer und Lorena Rüppel boten Ende Mai den Mitgliedern von Frammersbach Marketing eG Gesprächstermine an, um über die aktuelle Corona-Krise zu sprechen: welche Auswirkungen die Krise hat, wie sie damit umgegangen sind und wie die Perspektive für die Zukunft ist.

Von links nach rechts: Bürgermeister Christian Holzemer, Nikolai Haberkorn (Baustoff Mill), Alexander Mill (Baustoff Mill), Lorena Rüppel (FraMaG)

März bis Mai ist bei Baustoff Mill Hauptverkaufszeit, in diesen Monaten nehmen sie den größten Teil des Jahresumsatzes ein. Die Ware für diese Monate hatten sie bereits bestellt, als die Nachricht vom Lockdown kam. Die Schließung war eine große Belastung, vor allem durch die Unsicherheit, wie lange man geschlossen haben wird. Zudem kamen viele neue Aufgaben hinzu, wie Besprechungen mit der Bank, die Koordination des neu eingerichteten Lieferservices und das Managen des Teams.

Zusätzlich kam eine weitere große Belastung hinzu, die das Team von Baustoff Mill als große Ungerechtigkeit empfindet: Discounter, die wegen ihrer Systemrelevanz geöffnet bleiben durften, verkauften während der Schließung weiterhin Non-Food-Artikel, die auch im Sortiment von Baustoff Mill erhältlich sind.
„Diese Regelung haben wir als unfair empfunden und verstehen sie bis heute nicht. Wieso müssen wir schließen und andere dürfen weiterhin die gleichen Waren verkaufen?“

Auf diese Weise hat sich der Bedarf der Kunden nicht auf die Zeit nach der Schließung verschoben, sondern manche Betriebe haben umso stärker profitiert, während andere komplett geschlossen bleiben mussten. Auch dass die Baumärkte in den anderen Bundesländern geöffnet haben durften, könne man nicht nachvollziehen.

Der Fachhandel hatte im März viel zu tun, aber die langfristigen Effekte im zweiten Halbjahr und im nächsten Jahr sind unsicher. Momentan fehle die Perspektive:
„Man weiß vieles einfach nicht. Wie lange gelten die Vorschriften? Kaufen wir jetzt Desinfektionsmittel auf Lager, das nächste Woche schon nicht mehr benötigt wird?“
Anfangs war es schwierig, an Masken und Desinfektionsmittel zu kommen, die Verfügbarkeit war nicht gegeben und die Preise sehr hoch. Die Anschaffung war aber nötig, da die Maßnahmen vorgegeben waren und man sowohl Mitarbeiter als auch Kunden schützen will.
Nun hat sich die Verfügbarkeit dieser Produkte wieder eingependelt und viele Vorräte stehen herum.
Außerdem war es vor der Wiedereröffnung schwierig, an Infos für Vorschriften und Regeln zu kommen. Nichts war einheitlich, permanent gebe es Änderungen und verschiedene Interpretationen.

Als dann wieder geöffnet werden durfte, hatten die Kunden die Maßnahmen wie Abstandsregeln, Maskenpflicht und Handdesinfektion schnell akzeptiert. Es gebe zwar Quertreiber, aber die meisten halten sich an die Regeln. Das gelte auch für das Team: Alle verhalten sich sehr gut und vorbildlich.

Die Kampagne #wirhaltenzusammen hat Baustoff Mill genutzt, um den Lieferservice und dann die Wiedereröffnung mit Öffnungszeiten und Regeln zu veröffentlichen.
„Wir müssen jetzt unsere Kräfte bündeln und zusammenhalten“, schließt Klaus Mill das Gespräch ab.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Frammersbach aus – Gespräch mit Friseur am Aubach

„Es war hart, von einem auf den anderen Tag unverschuldet geschlossen zu werden trotz ausgebuchtem Terminkalender.“
Rational hatte Meike Nonnenmacher von Friseur am Aubach diesen Schritt der Regierung zum Lockdown vollkommen akzeptiert, emotional war es dagegen schwieriger zu verarbeiten.
So beschrieb sie ihre Reaktion auf den Lockdown im Gespräch mit Bürgermeister Christian Holzemer und FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel.
Christian Holzemer und Lorena Rüppel boten Ende Mai den Mitgliedern von Frammersbach Marketing eG Gesprächstermine an, um über die aktuelle Corona-Krise zu sprechen: welche Auswirkungen die Krise hat, wie sie damit umgegangen sind und wie die Perspektive für die Zukunft ist.
Die Möglichkeit, mit jemandem über ihre Wahrnehmung der Krise und deren Auswirkungen auf ihren Salon zu sprechen, empfindet Meike Nonnenmacher als sehr positiv: „Es ist schön, dass man gehört wird.“

Von links nach rechts: FraMaG-Geschäftsführerin Lorena Rüppel, kreativer Kopf von Friseur am Aubach Meike Nonnenmacher, Bürgermeister Christian Holzemer

Die ersten vier Wochen der Krise waren eine harte Zeit: In den Nachrichten hörte man von den stetig steigenden Zahlen, es gab keine Perspektive zur Wiedereröffnung und der Alltag war geprägt von großer Unsicherheit. Doch dann wurde Meike kreativ: Sie kommunizierte viel über Social Media mit Kunden, hat dort Präsenz gezeigt und einen Lieferservice für die Salon-Produkte eingerichtet, die die Kunden sonst persönlich gekauft haben. Dazu hat sie sich auch mit anderen Betrieben im Ort zusammengeschlossen und Lieferungen für die gleichen Personen oder Orte gemeinsam verschickt.
Das alles war viel Aufwand, sowohl organisatorisch als auch in der Umsetzung, es hat sich aber gelohnt: In dieser Zeit waren die Rückmeldungen der Kunden noch stärker als sonst von Wertschätzung und Unterstützung geprägt. Sie nutzte während der Isolation auch die Kampagne #wirhaltenzusammen der FraMaG und des Markt Frammersbach, um die Kunden über den Lieferservice und die Wiedereröffnung zu informieren.